Ohne Lernziele bist du verloren

Du lernst und lernst, aber in der Klausur sitzt du plötzlich vor lauter Aufgaben, die du gar nicht lösen kannst. Dein Magen verkrampft sich und du tust einfach dein Bestes, die Fragen trotzdem zu beantworten.

Und später fragst du dich: Wie hätte ich das vermeiden können? Was hätte ich anders tun sollen?

Naja, grundsätzlich kann diese Situation – die die meisten kennen, ich übrigens auch – viele Ursachen haben. Heute gehen wir auf eine der häufigeren ein: Du hattest keine oder keine guten Lernziele.

Themen sind noch keine Lernziele

Ein Lernziel sagt uns, was das erwartete Ergebnis des Lernens sein soll. Aber Achtung! Das heißt nicht nur, dass das Lernziel sagt, was gelernt werden soll.

Denn das “was” reicht nicht aus.

Oft gibt es in einer Lehrveranstaltung keine richtigen Lernziele, sondern nur eine Themenliste, die je nach Fachbereich solche Dinge umfasst wie:

  • Attributionstheorie
  • Die Werke von Hannah Arendt
  • Die Klimapolitik der europäischen Union
  • Die Literaturrecherche mit der Bibliotheksdatenbank

Schön und gut. Aber jetzt nehmen wir mal das Beispiel der Klimapolitik. Wozu musst du da in der Lage sein? Wirst du Multiple-Choice-Fragen zu Eckdaten und Politiker*innen auswendig beantworten müssen? Zu einem Fallbeispiel kritisch Stellung nehmen müssen? Einen Vorschlag für das klimapolitische Vorgehen im Jahr 2050 schreiben?

Es braucht eine Handlungskomponente

Hoffentlich hat dir das Beispiel gezeigt, dass ein und dasselbe Thema auf sehr viele verschiedene Arten behandelt werden kann. Und deshalb besteht ein Lernziel nicht nur aus der sog. “inhaltlichen Komponente” (dem Thema), sondern auch aus der Handlungskomponente.

Die Handlungskomponente muss deshalb ein Verb sein: Wozu wirst du in der Lage sein?

Mögliche Verben wären also:

  • berechnen
  • übersetzen
  • aufzählen

Und so weiter.

Aber Achtung, die Verben für die Handlungskomponente sollten auch konkret von außen beobachtbar sein!

Denn Verben wie “wissen” oder “verstehen” lassen sich sehr schwer beobachten. Und das ist problematisch, wenn du deine Fortschritte prüfen willst. Besser ist es, etwas zu nutzen, das von außen auch erkennbar ist, z. B. “aufzählen, nennen” statt “wissen”. Oder statt “verstehen” dann “erklären”.

Lernziele können einfacher oder komplexer sein

Irgendwie ist es klar, dass ein bloßes Aufzählen einer Spanisch-Vokabel etwas ganz anderes ist als die Fähigkeit, ein Gedicht auf Spanisch zu verfassen.

Dass Lernziele also unterschiedliche Komplexitätsgrade haben können, erkannte der Lernforscher Bloom schon in den 1950ern. Zusammen mit Kollegen erfand er sechs Stufen von Lernzielen. Diese dienen dazu, die Komplexität zu unterscheiden. Und die “niedrigeren”, einfacheren Lernziele sind oft nötig, um die “höheren”, komplexen Lernziele zu erreichen.

Diese sechs Stufen von Lernzielen bilden also die Bloom’sche Lernzieltaxonomie. Erinnern umfasst bloßes Kennen von Fakten; Verstehen heißt, dass man diese auch erklären kann. Hier zeigt sich wieder, dass die oberen Stufen oft, aber nicht immer die unteren mit voraussetzen: Meistens erinnert man sich an das, was man anderen erklären könnte – aber nicht immer! 

Toll, aber wie kann ich dieses Modell jetzt konkret nutzen?

Gut, dass du fragst! Eigentlich sollten dir deine Dozierenden klare Lernziele vorgeben und ihre gesamte Lehre auch danach ausrichten. Denn so würdest du wissen, wie und was du lernen kannst und was dich in der Prüfung erwartet. Dann könnte es nicht mehr vorkommen, dass du in der Klausur sitzt und merkst, dass du komplett falsch gelernt hast.

Tja. Leider machen das viele Dozierende nicht – weil sie es auch nicht besser wissen. Die meisten haben auch nie ordentlich gelernt, wie man lehrt.

Darum kannst du immerhin die Macht der Lernziele für dich entdecken!

  • Nutze die Unterlagen aus deiner Lehrveranstaltung – den Syllabus, die Folien, Altklausuren…. – um Lernziele für die Klausur zu formulieren. Die Lernziele sollten also das abbilden, wovon du glaubst, dass es in der Prüfung geleistet werden muss. In diesem PDF der ETH Zürich findest du eine Sammlung an Verben, die du dafür nutzen kannst.
  • Wenn du magst, dann frage auch bei dem/der Dozent*in nach, was er/sie von den Zielen hält. Oder bitte sie/ihn direkt darum, dir Lernziele vorzugeben.
  • Lerne so, dass du die Tätigkeit aus dem Lernziel übst.
    • Du musst Dinge auswendig aufzählen können? Lerne auswendig.
    • Du musst rechnen können? Rechne Übungsaufgaben.
    • Du musst Dinge analysieren und unterscheiden? Schreibe Texte oder unterhalte dich mit anderen und tue genau das.
    • Du musst eigene Konzepte entwerfen? Dann übe das.
  • Kurz gesagt: Richte dein Lernen an den Lernzielen aus.

Fazit: Lernziele sind dein Kompass beim Lernen

Wenn du Lernziele mit einer beobachtbaren Handlungskomponente anhand der Bloomschen Lernzieltaxonomie formulierst, wird dir viel klarer sein, was und wie du genau lernen solltest. Das hilft dir, dich richtig auf die Prüfung vorzubereiten. Und übrigens helfen klare Ziele auch beim Zeitmanagement, weil du aus ihnen leichter konkrete Aufgaben ableiten kannst, die du im Blick behalten und dir für eine bestimmte Zeit einplanen kannst.

Möchtest du dieses Semester mit Lernzielen lernen? Findest du die Bloomsche Taxonomie dafür nützlich? Schreibe mir gerne auf Instagram! Ich freu mich immer darüber, von dir zu hören. 🙂

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Zur Autorin

Hi, ich bin Nina. Ich bin in den USA und Kanada aufgewachsen und habe erst mit 11 Jahren deutsch gelernt; dass ich das geschafft habe, zeigte mir, dass man alles lernen kann – wenn man weiß, wie man lernt. Deshalb habe ich Bildungswissenschaft studiert und berate heute Studierende darüber, wie sie erfolgreich & glücklich durch das Studium kommen.

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