Diese 5 Dinge musst du tun, um in der Krise nicht auszubrennen

Kommt es dir auch so vor, als würde der März 2020 schon zwei Jahre dauern?

Inzwischen sind wir seit einigen Wochen mitten in der Corona-Krise. Es ist leider noch kein wirkliches Ende in Sicht. Dabei ebbt das Adrenalin langsam ab, das uns die Energie zur Bewältigung der neuen Lebensumstände geliefert hatte. Jetzt müssen wir gut für uns sorgen, um die nächsten Wochen und Monate der Krise – und ihre Nachwirkungen – zu überstehen, ohne auszubrennen.

1. Informiere dich weniger, dafür richtig

Wenn wir zu viele Nachrichten gucken und lesen, kann der Stresslevel massiv ansteigen. Denn in den Medien werden wir mit Problemen und Sorgen konfrontiert, an denen wir i. d. R. nichts ändern können – nur wenige Botschaften sind positiv oder voller Hoffnung. Wenn wir also zu viele Nachrichten mitkriegen, laugt es uns emotional aus, wir fühlen uns hilflos. Suche dir lieber ein-zwei Informationsquellen aus, denen du vertrauen kannst, die zuverlässig sind und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Plane täglich eine, höchstens zwei Zeiten ein, in denen du dich über diese Quellen informierst.

2. Nimm dir Zeit, um die alte Normalität zu bedauern

Das “normale Leben” von vor wenigen Monaten gibt es nicht mehr. Die Corona-Krise hat die Welt auf den Kopf gestellt und wir können auch nicht mehr zu einem Punkt zurückkehren, an dem es die Krise nie gegeben hat.

Das ist ein Verlust: Der Verlust einer Normalität, eines Weltbildes, einer Lebenszeit. Nimm dir Zeit, um damit umzugehen. Denn solche Umwälzungen sind anstrengend, wir brauchen Zeit und Energie, um sie zu verarbeiten.

Aber mache dabei nicht den Fehler, die alte Normalität zu idealisieren. Die Welt verändert sich immer, auch in guten Zeiten. Darum sind wir oft nostalgisch für eine Vergangenheit, z. B. die Achtziger, mit der wir Positives verbinden. Die Probleme von damals blenden wir meistens aus. Darum denke daran, dass die Welt vor Corona auch nicht perfekt war.

3. Werde dir bewusst, wie belastet du und deine Nächsten seid

In Gemeinschaften – Paarbeziehungen, WGs, Teams auf der Arbeit, Freundschaften – tragen idealerweise alle Beteiligten gleich viel zum Gemeinwohl bei. Ein Paar ist jeweils zu 50% füreinander da. In der WG hat jede*r gleich viel zu putzen. Und so weiter. Aber das ist eben nur das Ideal. In der Realität ist es oft so, dass jemand müde oder schlecht drauf ist und seinen/ihren Teil nicht beitragen kann. Da ist es gut, wenn eine andere Person einspringen kann. Anstatt einer 50/50-Aufteilung gibt es dann halt mal kurz 80/20.

Aber was, wenn alle erschöpft sind und ihren Teil nicht beitragen können? Was, wenn man gemeinsam nur auf 40% kommt und nicht auf 100%?

In der aktuellen Krise geht es vielen so, dass 100% seltener machbar sind. Ich merke das auch in der Familie, mit meinem Mann, auf der Arbeit, in Freundschaften: Wir haben immer wieder mit einer Lücke zu kämpfen und erreichen unsere gewohnten 100% nicht.

4. Erstellt einen Lückenplan

Brené Brown teilt in ihrer neuesten Podcastfolge eine gute Strategie für dem Umgang mit der Lücke.

  • Zunächst einmal ist es hilfreich, zu erkennen, auf wie viel “Prozent” man selbst gerade steht.
  • Dann ist ein Austausch über die “Prozentsätze” in der WG, im Team oder der Beziehung hilfreich.
  • Wenn die Gemeinschaft nicht auf 100% kommen kann, gibt es eine Lücke.
  • Für diese Lücke sollte man einen Plan aufstellen: Was müssen wir tun, damit wir uns erholen und wieder füreinander da sein können?

Dieser Plan ist ganz individuell und sollte auf den Dingen basieren, die dir und deiner Gemeinschaft gut tun. Brené macht dafür folgende Vorschläge:

  • Schlafen
  • Für Bewegung sorgen, denn Sorgen und Ängste werden im Körper gespeichert
  • Gut essen (nicht aus Stress Berge von Süßigkeiten und Fettigem essen!)

Was könnte in deinen Lückenplan rein?

5. Vergleiche deine Probleme nicht mit denen von anderen

Aktuell sind wir alle belastet durch die Krise – und sei es nur, weil die Lieblingsmarke Nudeln ausverkauft ist. Aber wir wissen auch alle, dass es einigen Menschen – den Kranken, den Angehörigen von Verstorbenen, den Krankenschwestern usw. – viel schlechter geht, als uns selbst.

Die natürliche Reaktion ist es oft, sich selbst zu sagen: Ich darf mich nicht beschweren. Anderen geht es so viel schlechter als mir – ich muss dankbar sein, ich darf nicht traurig, wütend oder gestresst sein.

Denn wir denken, dass wir sonst schlechte Menschen sind. Dass wir Empathie haben müssen mit denen, die am meisten leiden. Aber da gibt es ein Problem:

Was glaubst du - ist Empathie eine endliche Ressource?

Quizfragen machen Spaß und sind lernförderlich! Darum entscheide zuerst, welche Antwort deiner Meinung nach richtig ist, und klick drauf für eine Auflösung…

Richtig! Je öfter wir Empathie empfinden, desto mehr wächst unser weiteres Empathievermögen.

Das heißt: Wir müssen unsere Empathie nicht “sparen”, um noch etwas übrig zu haben für die, die schlimm betroffen sind.

Vielmehr müssen wir auch Empathie mit uns selbst haben – denn wenn wir uns Vorwürfe machen, weil es uns nicht gut geht, fangen wir an, uns zu schämen. Und wie Brené Brown sagt: Scham tötet Empathie. Wenn du dich schämst, weil du wegen Corona gestresst bist, obwohl es vielen noch schlimmer geht als dir, hast du eher weniger Mitgefühl übrig für andere Menschen.

Darum beschwere dich ruhig und gönne dir deinen Stress. Du kannst dich trotzdem um Dankbarkeit bemühen und die Perspektive dafür behalten, dass es noch viel schlimmer ginge. Aber mach dir, so gut es geht, keine Vorwürfe, wenn es dir nicht gut geht.

Fazit: Sorge für dich, damit du die nächsten Wochen durchhältst.

Wir brauchen jetzt viel Selbstfürsorge, einen Austausch darüber, wie es uns geht, und einen Lückenplan. Was wir nicht brauchen, sind Selbstvorwürfe und ein schlechtes Gewissen, weil es uns nicht gut geht. Sorge für dich, damit du auch für andere da sein kannst!

Hast du schon einen Lückenplan für dich und deine Nächsten? Und wie schaffst du es bisher, deinem Stress Raum zu geben? Schreibe mir gerne auf Instagram! Ich freu mich immer darüber, von dir zu hören. 🙂

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Zur Autorin

Hi, ich bin Nina. Ich bin in den USA und Kanada aufgewachsen und habe erst mit 11 Jahren deutsch gelernt; dass ich das geschafft habe, zeigte mir, dass man alles lernen kann – wenn man weiß, wie man lernt. Deshalb habe ich Bildungswissenschaft studiert und berate heute Studierende darüber, wie sie erfolgreich & glücklich durch das Studium kommen.

Quellen

Brown, Brené (2020). Brené on Comparative Suffering, the 50/50 Myth, and Settling the Ball. [Podcast.]

 

Brené on Comparative Suffering, the 50/50 Myth, and Settling the Ball

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