4 Mythen über die Kreativität, an die du wahrscheinlich noch glaubst

Kreativität – das ist etwas ganz Magisches und Unfassbares, das uns im kritischen Moment fehlen kann. Und dagegen kann man nichts tun. Oder?

Stimmt nicht ganz. Heute schauen wir uns 4 Mythen über die Kreativität an – denn es gibt Wege, um nachhaltig kreativer zu werden.

Mythos #1: Kreativität hat nur etwas mit Kunst zu tun

Kreatives Arbeiten bedeutet nicht nur, dass man tanzt, Musik macht, malt oder schreibt. Kreativität ist eine grundsätzliche kognitive Fähigkeit. Wer kreativ ist, ist in der Lage,

  • Verbindungen zwischen scheinbar unverbundenen Dingen zu erkennen – das nennt man konvergente Kreativität. (ForscherInnen messen die konvergente Kreativität oft mit Aufgaben wie: “Nenne möglichst viele Dinge, die ein Apfel und eine Shampooflasche gemeinsam haben”.)
  • neue Verwendungen bzw. einen neuen Sinn in bekannten Dingen zu entdecken – das nennt man divergente Kreativität. (ForscherInnen messen die divergente Kreativität oft mit Aufgaben wie: “Nenne möglichst viele Verwendungen für einen Radiergummi”.)

Das heißt, du kannst Kreativität nutzen, um einen Streit zu schlichten, um die kaputte Waschmaschine zu reparieren, um dein Zeitmanagement im Alltag besser zu gestalten, um deinen nächsten Urlaub zu planen, um eine Website zu designen, …. die Liste könnte man (ganz kreativ) lange weiterführen. Willst du in deinem Leben Probleme innovativ und effektiv lösen können, brauchst du Kreativität.

Mythos #2: Kreativität kommt von außen

Ist Kreativität der “Kuss einer Muse”? Ein Geistesblitz? Das klingt so, als wäre man darauf angewiesen, auf kreative Einfälle zu warten. Ungünstig, denn so hat man keine Kontrolle über die eigene Kreativität.

Zum Glück stimmt es so nicht ganz. Was wir unter Kreativität verstehen, sind auch bloß kognitive Prozesse im Gehirn – denn unser Gehirn ist wie ein riesiges, sehr komplexes Netzwerk, das pausenlos aktiv ist und sich verändert, solang wir leben. Für kreatives Denken scheint eine Kombination aus zwei kognitiven Tätigkeiten nötig zu sein:

  • konzentrierte, bewusste Auseinandersetzung mit einem Thema oder Problem
  • Entspannung und Ablenkung – Zeit, in der das Gehirn über etwas anderes nachdenkt. In dieser Phase wird oft unterbewusst am Problem weitergearbeitet, es folgen kreative Einfälle.

Kreativität ist also durchaus etwas, was im Gehirn stattfindet – und das heißt, dass wir ein gewisses Maß an Kontrolle über unsere Kreativität haben.

Mythos #3: Kreativität kann man nicht trainieren

Unser sog. default mode network ist das Aktivitätsmuster, das das Gehirn einnimmt, wenn es chillt – sprich, keine konkrete Aufgabe hat. Dieses Aktivitätsmuster unterscheidet sich von Person zu Person und kann sich sogar mit der Zeit verändern. Die Forschung zeigt, dass Personen, die oft kreativ sind, mehr Verbindungen in diesem Netzwerk haben. Und wer mehr Verbindungen im default mode network hat, ist kreativer. Es ist also ein Engelskreis: Kreativität gewöhnt das Gehirn daran, kreativ zu denken, man wird langfristig noch kreativer. Die Fähigkeit, kreativ zu sein, kann man sich im Laufe des Lebens erarbeiten.

Und wie geht das konkret?

Vorher haben wir zwei Aspekte der Kreativität kennengelernt: die bewusste, konzentrierte Auseinandersetzung und die ziellose Entspannung. Beide dieser Aspekte kannst du gezielt fördern, um kreativer zu werden:

  • Setze dich kurz, aber intensiv mit einem Thema auseinander. Mach dir klar, was das Ziel oder Problem ist. Sammle viele Ideen. Hol dir Inspiration von anderen, indem du darüber redest, liest, Bilder anschaust etc. Sei in dieser Phase nicht kritisch und suche nicht nach Perfektion. Es geht darum, möglichst viel Zündstoff für dein Gehirn zu sammeln. Jede Idee ist gut genug.
  • Bringe dein Gehirn gezielt in die Entspannung. Geh spazieren, mache ein Nickerchen, mache Sport, lies ein Buch. Beschäftige dich mit etwas anderem, was dir gut tut und dein Gehirn nicht allzu sehr belastet. Denn die übrige Energie wird es in die unbewusste Verarbeitung des Problems stecken.

Wenn du das tust, schaffst du eine gute Basis für kreative Einfälle. Und wenn du das regelmäßig tust, schafsst du sogar die Basis für ein kreatives Leben. Das bringt uns zum letzten Mythos…

Mythos #4: Routine tötet die Kreativität

Wir haben oft das Bild des gequälten Künstlers, der ein verrücktes Leben führt, tagelang nur schläft und dann aber die Nacht in einem Inspirationswahn durcharbeitet (gerne befeuert durch Drogen oder Alkohol).

Die kreativsten Menschen der Welt führen aber tendenziell ein sehr routiniertes Leben. Stephen King, zum Beispiel, der Dutzende Bestseller geschrieben hat, glaubt fest daran, dass man jeden Tag zur selben Zeit arbeiten muss, um langfristig kreativ zu sein. Das gibt dem Gehirn die Botschaft: Du sollst jetzt kreativ sein. Was auch auffällt: Die zahlreichen erfolgreichen AutorInnen, die Wert darauf legen, jeden Tag zu schreiben, schreiben keine acht Stunden lang. Meistens sind es eher 4-6 Stunden. Dafür planen sie in ihre Routine auch  Entspannung ein, z. B. lange Spaziergänge – Charles Darwin spazierte jeden Tag stundenlang.

Das macht Sinn vor dem Hintergrund dessen, was wir über das Gehirn wissen: Es verändert sich Tag für Tag je nachdem, wie wir leben. In zahlreichen kleinen Schritten können wir also Großes erreichen und das Gehirn richtig umprogrammieren, damit es kreativer wird.

Was kannst du also in deinem Alltag tun, um kreativer zu werden?

Überlege dir zunächst, worum es dir genau geht, was du langfristig erreichen willst. Willst du besser schreiben können? Als IngenieurIn schneller Probleme lösen können? Innovativer denken? Dann suche dir eine tägliche Zeit aus, in der du dich konzentriert mit dem Thema beschäftigst, sprich, schreibst, Probleme anschaust oder Aufgaben bearbeitest.

Überlege dir dann, wie du dich gerne erholst. Was entspannt dich? Gehst du gerne spazieren, machst Sport oder einen Mittagsschlaf? Das sind alles bewährte Methoden, um im Alltag durch Entspannung die Produktivität zu steigern. Suche dir auch hier Dinge aus, die du regelmäßig in deinen Alltag einbauen willst.

Experimentiere dann mit deiner neuen Routine herum, beobachte, was gut funktioniert und passe sie fortlaufend an – ganz nach dem Motto: Planen, regulieren, reflektieren.

Haben dich die Mythen überrascht? Was möchtest du tun, um kreativer zu werden? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar, auch in der Facebook-Gruppe!

Du willst keine Posts mehr verpassen? Trage dich für den Newsletter ein!

Mehr Tipps findest du auf Instagram.

Das beste Buch über Kreativität, das ich kenne, ist ein Buch über die Erholung. Das macht tatsächlich Sinn, denn Erholung und Arbeit gehen Hand in Hand – und Arbeit erfordert Kreativität. In “Pause” lernst du, wie du deine Produktivität und Kreativität durch gezielte Erholung steigern kannst, verpackt in Anekdoten über berühmte CEOs, KünstlerInnen und ForscherInnen – aber auch die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Loading